Brettensuite

Die Brettensuite ist eine Serie von 20 Skulpturen von Herbert Nouwens. Dieses Gesamtwerk steht seit 2015 im Dialog mit den verschiedenen Landschaften des Brettenpads.

“Die Beziehung zwischen einer Skulptur und ihrer Umgebung ist für mich von zentraler Bedeutung. Ich habe mir daher bewusst Orte entlang des Rad- und Wanderwegs “Brettenpad” ausgesucht, die ein Wahrzeichen erfordern. Dieser 7 km lange Weg beginnt im Westerpark im Zentrum von Amsterdam und führt vom Bahnhof Sloterdijk in eine ländliche Umgebung am Stadtrand. Ich habe die Skulpturen im Verhältnis zueinander positioniert, inspiriert von Musiksuiten, die Zusammenfassungen von kurzen Musikstücken von Komponisten aus dem 17. Jahrhundert wie Bach sind und eine Serie von Tänzen bilden. “- Herbert Nouwens

Ort: Amsterdam – Halfweg
Frei zugänglich

Fotografie: Piet Koster

Brettensuite, ein Frühlingseindruck

Remco Daalder, Stadtökologe in Amsterdam hat auf Bitte von Herbert Nouwens ein schönes Stück über die Brettensuite geschrieben. Acht Uhr morgens, Ende Februar. Ich nehme die Fähre von Amsterdam Noord nach Houthavens. Die Fähre ist voll von Radfahrern, die nach einem Stau und in einem langen Stau nach Westerpark fahren. Es erinnert mich an Fotos von Amsterdam aus den fünfziger Jahren. Lange Reihen von Fahrradarbeitern auf dem Weg zur Arbeit. Sie fuhren Rad, weil sie kein Geld für ein Auto hatten, wir radeln, weil ein Auto in der Stadt nutzlos geworden ist. Der  Radfahrer betritt den Westerpark und fährt in Richtung Sloterdijk. Ich habe nie bemerkt, dass dieser Teil des Bretten eine so wichtige Pendlerroute ist. Im Westerpark treffen Radfahrer auf Läufer in allen Formen und Farben. Und von urbaner Natur: Reiher auf Nestern hoch in den Bäumen der Insel, Ringschwanzsittiche züchten. Möwen mit Nahrungssuche bedecken die Rasenflächen. Am Waternatuurtuin gibt es einen Tunnel, der zum Kinderspielplatz Het Woeste Westen führt. Dort sehe ich die ersten Bilder von Herbert Nouwens. Sie sind auf beiden Seiten des Tunnels, als robuste Wächter. Trotz ihrer Größe sind die Bilder unverkennbar präsent. Sie heben sich kaum ab. Sie passen gut zu den großen Steinen der Ecopassage, die die Tiere durch den Tunnel führen müssen. Sie passen gut zu dem gebräunten Mann, der fanatisch springt. Diese Bilder haben eine menschliche Größe und organische Formen, genau wie der Westerpark selbst. Aus dem von Wasser benetzenden Garten,  höre ich einen grünen Specht lachen. Dieser Ort ist richtig. Die Brettenroute ist mit grünen Punkten auf dem Asphalt markiert. Folgen Sie den Punkten und Sie radeln zwischen den Kleingärten und den Rückseiten der unwirtlichen Bürosiedlungen in Richtung Sloterdijk. Fließende Radfahrer, Läufer laufen. Waldvögel singen aus den Scharen: Singdrossel, Rotkehlchen, Winterkönig. Ein Sperber schießt durch die Bäume. Ich sehe das Bild von Nouwens nur im letzten Moment am Rand der Schrebergärten. Wieder so eine große Bescheidenheit. Keine freche Geste, kein Blick auf mich, sondern eine einfache Ergänzung, ein Akzent für diejenigen, die gut sehen wollen, die etwas entdecken wollen. Und zur gleichen Zeit ein Treffpunkt für die Schrebergärten, eine Dorfpumpe treffen wir am rostigen Baum. Ich bin sehr beeindruckt von dem alten Dorf Sloterdijk. Hier ist ein Bild, das wie ein Baumstumpf aussieht, auf dem Stamm eines riesigen Feigenbaums aus dem Regenwald. Die Statue steht im Wasser und schließt sich der Erle, der Pappel und den Karotten an. An diesem etwas nebligen Morgen gibt das Bild dem ganzen Ort eine mystische Atmosphäre. Bio und einfach nicht von dieser Welt. Ein schöner Kontrast zu dem düsteren, hölzernen Bild “Ode an den verschwundenen Bauern” von Karel Gomes, das zwanzig Meter entfernt ist. Dann der Arlandaweg. Candle-Recht, zu breite Straße zwischen nicht allzu schick Schule und Bürogebäude. Neugierig, immer Wind entgegen, ein Gefühl der Entmutigung überholt den Radfahrer. Nouwens hat hier düstere, kantige Figuren niedergelegt, die die Praktikabilität der Umgebung betonen. Du wirst nicht glücklicher sein. Nach Sloterdijk ist plötzlich jeder weg und man ist nur mit den grünen Punkten auf dem Asphalt und den Autos entlang dem Haarlemmerweg unterwegs. Verkehrslärm erinnert uns an das Rauschen des Meeres.. Die Bretten werden im Westen immer wilder und seltsamer. In den Gräben, Grillen, Tauchen Reiherenten und Balting Grebes. Mummant Goldköpfe sind direkt über dem Verkehr. Fossil rollt den Radweg entlang. Die Bilder werden zu Leuchtfeuern im einsamen Ödland. Beacons auf dem Weg zur Küste. Sie machen den fast bedrohlichen Raum intimer. Sie sind weniger zahlreich: Die Stadt ist hinter uns. Auf Halfweg winkt mir das letzte Bild. Die Dünen locken.

Remco Daalder 3/3/2015

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